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Englischunterricht in der Grundschule erfolgt nach einem verbindlichen Lehrplan, der sich, ebenso wie die Kernlehrpläne der weiterführenden Schulen, am „Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen“ orientiert. Er erfüllt die Ansprüche der Primarstufendidaktik und berücksichtigt die national wie international aktuellen und unbestrittenen Forschungsergebnisse der Fremdsprachendidaktik.
Lehrkräfte der Sekundarstufe I müssen in der Fortführung zwei wesentliche Aufgaben erfüllen: Einerseits geht es darum, die Grundschulkenntnisse zu ermitteln und weiter zu entwickeln. Außerdem sollen Lernfreude und Motivation der Kinder im Fach Englisch über die Grundschulzeit hinaus erhalten bleiben.
Die Tatsache, dass die Vorkenntnisse der Kinder, die mit Englischkenntnissen aus der Grundschule kommen, sehr heterogen sind, kann von Lehrkräften als Belastung empfunden werden.
Heterogene Voraussetzungen, welche die Kinder heute in den Englischunterricht der Sekundarstufe I mitbringen, entstehen jedoch nicht nur, weil Kinder durch den Unterricht der Grundschule die erwarteten Standards in unterschiedlichen Ausprägungen erreichen. Sie sind auch durch familiäre Umstände bedingt. So nutzen zum Beispiel Eltern, die davon ausgehen, dass der ideale Zeitpunkt für das Erlernen einer Fremdsprache im Vorschulalter liegt, zur Förderung ihrer Kinder bereits die Angebote der Kindergärten oder anderer Anbieter.
Für den konstruktiven Umgang mit Heterogenität ist es unerlässlich, die eigene Lehrerrolle in einem veränderten Sinn zu verstehen: Es gilt, gerade auch im Übergang diagnostische Kompetenz zu entwickeln, zu beobachten, was das Kind bereits kann, um aufgrund dieser Beobachtungen dessen weiteres sprachliches Wachstum nachhaltig fördern zu können.
Lehrkräfte der Sekundarstufe I müssen sich dazu auch mit den Arbeitsweisen der Grundschule vertraut machen. Möglich ist das durch das Einladen von Grundschullehrkräften in die Fachkonferenzen, um Erfahrungen und Materialien auszutauschen, durch gegenseitige Hospitationen, durch Planung und Durchführung gemeinsamer Unterrichtsvorhaben und Projekte. Das Sprechen über gemeinsame Probleme wirkt nicht nur entlastend, oft ergeben sich aus solchen kollegialen Gesprächen auch Lösungsansätze, die die einzelne Lehrkraft alleine vergebens gesucht hätte. Wenn mehrere weiterführende Schulen und Grundschulen sich zu einem Netzwerk zusammenschließen, erhalten Erfahrungs- und Materialaustausch eine größere Plattform.
An der Arbeitsgruppe zum „Fortgeführten Englischunterricht“ nahmen im Schuljahr 2005/06 folgende Lehrkräfte teil: Jutta Backhaus (Adolf-Reichwein-Realschule), Katrin Berlage (Overbergschule), Jutta Frings (Alexanderschule Mellrich), Claudia Hartig (Realschule Bockum-Hövel), Sonja Krampe (Realschule Anröchte), Andrea Mann (EGS Dorfschule Witten), Wendelgard Saßnick-Lotsch (Konrad-Adenauer-Realschule), Hiltrud Stegemann (Carl-Orff-Schule), Heidi Weltermann (Realschule Anröchte).
Die beteiligten Lehrkräfte sind darin einig, dass die gemeinsame Arbeit sich positiv auf die weitere Entwicklung ihrer Professionalität ausgewirkt hat. Materialien, die sie erarbeitet haben, stellen sie anderen Kolleginnen und Kollegen hiermit gerne zur Verfügung:
Wie die Zusammenarbeit zwischen Grundschul-und Sekundarstufenlehrkräften zeitlich organisiert werden kann, finden Sie unter dem Stichwort Arbeitsplan. Weiterhin können Sie einen Informationsbogen der Grundschule ansehen, dem zu entnehmen ist, welche Unterrichtsmaterialien, Lieder, Reime und Spiele die Kinder einer bestimmten Grundschulklasse gelernt haben, sowie eine entsprechende Kopiervorlage dieses Informationsbogens für die eigene Verwendung ausdrucken.
Eine Checkliste, die sich an den Kompetenzen orientiert, welche die Kinder am Ende der 4. Klasse erreicht haben sollen, ermöglicht die gezielte und kriterienorientierte Beobachtung einzelner Kinder. Sie kann in Beratungsgesprächen mit den Kindern selbst oder mit Eltern zur Ermittlung des Förderbedarfs sowie zur Beobachtung der Progression oder zur Notenfindung eingesetzt werden. Durch das Transparentwerden von Stärken und Schwächen erlauben diese Checklisten motivierende Leistungsrückmeldungen, welche Vertrauen entwickeln helfen; Vertrauen bezüglich der Lernwege, Lernprozesse und Lernergebnisse des einzelnen Kindes. Zum Einsatz in Ihrem Unterricht finden Sie hier eine Kopiervorlage für eine Checkliste zu den Kompetenzen am Ende der 4. Klasse.
Die Durchführung einer gemeinsamen Fachkonferenz von Grundschulen und Schulen der Sekundarstufen kann durch eine Tischvorlage strukturiert werden.
Verschaffen Sie sich einen schnellen Überblick über Unterrichtsprinzipien der Grundschule und des fortgeführten Englischunterrichts sowie über die Möglichkeit, mit Bilderbüchern zu arbeiten, denn das lehrgangsartige Vorgehen des eingeführten Lehrwerks kann wegen der oben beschriebenen Heterogenität nicht alleinige Grundlage des Unterrichtes in der 5. und 6. Klasse sein, und Bilderbücher können zum Beispiel Möglichkeiten zur Differenzierung bieten.
In der modernen Fremdsprachendidaktik wird gefordert, dass Lernende zum self assessment und zur Beobachtung des eigenen Lernprozesses angeleitet werden. Das kann mit Hilfe eines Portfolios geschehen. Es zeigt auch, auf welche Weise die Erziehung zur Mehrsprachigkeit, welche ebenfalls eine neue Aufgabe des Englischunterrichts ist, bereits in der Grundschule angelegt werden kann.
Unter dem Stichwort „Sprachen lehren und lernen als Kontinuum“ finden Sie bei <www.uni-giessen.de> weitere Hinweise und Downloads zur Portfolio-Entwicklung. Zum Thema „Fortgeführter Englischunterricht in den Klassen 5 und 6“ sowie zum Englischunterricht in der Grundschule sind zusätzliche wertvolle Informationen unter <www.learn:line.de> veröffentlicht.
Weitere Lesetipps:
Doyé, Peter (1999):The Intercultural Dimension. Foreign Language Education in the Primary School. Berlin: Cornelsen.
Doyé, Peter (Hrsg.), (2005): Kernfragen des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule. Braunschweig: Westermann.
Edelhoff, Christoph (Hrsg.), (2001): Neue Wege im Fremdsprachenunterricht. Qualitätsentwicklung, Erfahrungsberichte, Praxis.Hannover: Schroedel, Diesterweg.
Haß, Frank (Hrsg.), (2006): Fachdidaktik Englisch. Tradition, Innovation, Praxis. Stuttgart: Klett.
Weskamp, Ralf (2003): Fremdsprachenunterricht entwickeln. Grundschule-Sekundarstufe I- Gymnasiale Oberstufe. Hannover: Schroedel, Diesterweg, Klinkhardt.