Berufs- und Studienorientierung im Kontext individueller Förderung
Zentrale Bedeutung der Berufs- und Studienorientierung für die schulische Arbeit
Unsere Schulen sollen unsere Schülerinnen und Schüler zu guten Abschlüssen führen. Gute Abschlüsse sollen aber auch in gute Anschlüsse münden, d.h. in passgenaue Übergänge in den Beruf oder das Studium. Deshalb hat die Berufs- und Studienorientierung in der schulischen Arbeit zentrale Bedeutung gewonnen.
In den allgemeinbildenden Schulen Nordrhein-Westfalens ist die Berufsorientierung wichtiger Bestandteil der individuellen Förderung und soll unsere Schülerinnen und Schüler zur Ausbildungs- und Studienreife führen. Eine auf individuelle Förderung basierende Berufsorientierung zielt auf die nachhaltige Unterstützung eines lernförderlichen und persönlichkeitsstärkenden Arbeits- und Sozialverhaltens. Die Jugendlichen sollen lernen, ihre Potentiale und Fähigkeiten bewusst zu stärken und Schwächen zu erkennen und auszugleichen.
Die Berufs- und Studienorientierung gelingt allerdings nur, wenn sie die folgenden Elemente sinnvoll miteinander verzahnt:
- einen schlüssigen rechtlichen sowie konzeptionell pädagogischen Rahmen, der die Berufs- und Studienorientierung als integralen Bestandteil der individuellen Förderung begründet;
- eine Verankerung und Fortbildung von Berufs- und Studienkoordinatoren als Verantwortliche für dieses zentrale Feld der schulischen Arbeit in jeder weiterführenden Schule;
- die einvernehmliche Einbeziehung von Kommunen und Kreisen als Steuerungsinstanz und ausgewählter außerschulischer Partner in regionalen Netzwerken, die die besten Garanten sind für reibungslose und passgenaue Übergänge in Beruf und Studium;
- gezielte Maßnahmen für unterschiedliche Zielgruppen von Schülerinnen und Schülern in bestimmten schulischen Situationen und Lebenslagen, die individuelle Berufsberatung ermöglichen und erleichtern.
Konzeptionelle Grundlagen der Berufs- und Studienorientierung
Rechtlicher Rahmen für die Berufs- und Studienorientierung ist der entsprechende Erlass des Ministeriums für Schule und Weiterbildung vom 6.11.2007. Dieser Erlass bildet die Grundlage für das Rahmenkonzept „Berufsorientierung als Bestandteil einer schulischen individuellen Förderung", das das Ministerium mit den Partnern im Ausbildungskonsens NRW - mit Wirtschaft, Gewerkschaften und kommunalen Spitzenverbänden - entwickelt und abgestimmt hat. Ergänzt werden diese rechtlichen und konzeptionellen Grundlagen durch die „Rahmenvereinbarung zur Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung", die das Ministerium mit der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit abgeschlossen hat.
Erlass und Vereinbarungen verankern einerseits die Berufs- und Studienorientierung als unverzichtbaren Bestandteil der individuellen Förderung fest im unterrichtlichen Alltag. Der rechtliche Rahmen macht andererseits die Berufs- und Studienorientierung zu einem zentralen Aspekt der Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern und damit der Öffnung von Schule.
Die zentrale Rolle der regionalen Netzwerke in der schulischen Berufs- und Studienorientierung
Damit Schulen authentische Situationen beruflichen Handelns im Unterricht integrieren und geeignete wirtschaftliche Bezüge aufgreifen können, benötigen sie die Unterstützung außerschulischer Partner. Damit die schulische Berufs- und Studienorientierung die jeweiligen regionalen Chancen und Möglichkeiten nutzen kann, braucht sie die Einbindung in regionale Netzwerke, in denen die jeweiligen Kommunen oder Kreise als Koordinations- und Steuerungsinstanz eine zentrale Rolle spielen. Zu den außerschulischen Partnern gehören dabei die Berufsberatungen der Agenturen für Arbeit, die regionale Wirtschaft und ihre Kammern, und natürlich auch Hochschulen und Universitäten.
Dadurch dass viele Schulen schon heute ihre regionalen Kooperationsmöglichkeiten mit außerschulischen Partnern nutzen, verändern sie ihre Rahmenbedingungen und ihre Unterrichtsstruktur. In diesem Zusammenhang gewinnen außerschulische Lernorte immer stärker an Bedeutung. Dabei reicht das Angebot von längeren Praxisphasen über Betriebserkundigungen bis hin zu Schülerbetriebspraktika, Hochschulpraktika, Hochschulschnuppertagen und Langzeitpraktika für Jugendliche. Praxisnähere Unterrichtsformen erhöhen die Lernmotivation der Jugendlichen und führen auch zu Veränderungen in der schulischen und unterrichtlichen Arbeit selbst. Die Beteiligung außerschulischer Experten im Unterricht, wie der Einsatz von Senior-Experten, ist nur ein Beispiel für diese Öffnung.
Aktuelle Maßnahmen der Landesregierung
Die Landesregierung steht den Schulen bei der Umsetzung einer Berufs- und Studienorientierung als Bestandteil der individuellen Förderung insbesondere mit folgenden Unterstützungsangeboten zur Seite:
- Im Rahmen der Initiative „Zukunft fördern - Vertiefte Berufsorientierung gestalten" führt die Landesstiftung „Partner für Schulen NRW" seit 2008 zehn schulformspezifische Projektmodule zur innerschulischen Berufsorientierung erfolgreich durch. Vor allem die Module der „Berufsorientierungsbüros" und die „Berufsorientierungscamps" erfahren von den Schulen große Akzeptanz und Resonanz. Im Projektjahr 2008 haben 919 Schulen teilgenommen und 1166 Modulmaßnahmen umgesetzt. Im Projektjahr 2009 werden 1348 Schulen 1642 Module durchführen.
- Der Wettbewerb „Wir wollen: Wirtschaft für Schule in NRW" zeichnet Projekte und Initiativen aus, die Bildung und Ausbildung als entscheidenden Schlüssel zur Integration verstehen und auf kulturelle Öffnung, Dialog und gegenseitige Wertschätzung setzen. Mit der Vergabe dieses Preises wird auch auf die Vielfalt bestehender Initiativen und Projekte im Bereich Wirtschaft-Schule hingewiesen.
- Das Projekt „Startklar-! Mit Praxis fit für die Ausbildung" verfolgt ebenfalls einen ganzheitlichen Ansatz. Das Modell beginnt in der 8. Klasse und endet mit dem Abschluss in der 10.Klasse. Es umfasst drei Phasen und besteht aus aufeinander aufbauenden Elementen praxis- und handlungsorientierten Lernens in Schule und außerschulischen Lernorten.
- Mit dem Ziel der Verbesserung der Berufsorientierungsprozesse für Schülerinnen und Schüler wurden 2008 in ca. 100 Grundqualifizierungsmaßnahmen in 54 kreisfreien Städten über 2.000 Lehrkräfte zu Studien- und Berufsorientierungskoordinatorinnen und - koordinatoren (StuBo-Koordinatoren) für die Schulen der Sekundarstufe I und II qualifiziert. In neun Qualifizierungsmodulen wurden die Lehrkräfte zu StuBo-Koordinatoren ausgebildet, um sie auf ihre künftige Aufgabe als zentraler Ansprechpartner in ihren Schulen für alle Fragen rund um die Berufs- und Studienorientierung vorzubereiten.
- Das Projekt Betrieb und Schule (BUS) zielt darauf ab, benachteiligte Jugendliche an Hauptschulen, Gesamtschulen und Förderschulen, deren erfolgreicher Schulabschluss gefährdet ist, im letzten Pflichtschuljahr durch die Kombination schulischen Lernens mit betrieblicher Erfahrung zu unterstützen und so drohende Arbeitslosigkeit möglichst schon im Vorfeld des Übergangs von der Schule ins Berufsleben zu vermeiden.
- In KURS (Kooperationsnetz Unternehmen der Region und Schulen) begegnen sich Schulen und Unternehmen als Partner. Von diesen Lernpartnerschaften profitieren beide Seiten. Schulischer Unterricht richtet sich näher an der Praxis aus, ökonomische Bildung bekommt praxisnahe Inhalte und Schülerinnen und Schüler werden für Ausbildung und Studium fit gemacht. Unternehmen präsentieren sich als interessante Arbeitgeber mit Perspektiven für die Zukunft und ebenso auch als gute Nachbarn.
- Das Iserlohner Modell (das auch „Quantensprung" genannt wird) sieht vor, alle Schülerinnen und Schüler, die beim Übergang von der Schule in den Beruf intensive Unterstützung benötigen, so zu fördern, dass sie einen Schulabschluss erreichen. Zugleich ermöglicht diese Initiative den Jugendlichen eine neue Lebensperspektive, etwa in Form einer Ausbildungsstelle, einer Arbeitsstelle oder eines zielgerichteten Besuchs weiterführender Schulen.
- Künftig soll es in Nordrhein-Westfalen zentrale Tage zur Studienorientierung geben, an denen Hochschulen Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften eine allgemeine Studienorientierung sowie eine fachliche Orientierung bieten. Diese Studieninformationstage sollten in einer Woche gebündelt werden.